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DAS LEBEN IST GAR NICHT SO - ES IST GANZ ANDERS

Ein Abend von und mit Tucholsky
Kurt Tucholsky gezeichnet von Heinz Jost

Kurt Tucholsky
Zeichnung von Heinz Jost



Silvia Jost spricht Kurt Tucholsky

Silvia Jost bei einem Tucholsky-Abend

Dieses Programm eignet sich sowohl für Kleintheater wie für private Anlässe.

Kontakt und Engagement: jostundberger.ch

Am Himmel bewegt sich eine Gardine,
die Engel haben Ladenschluss,
da sitzt ein Mann an der Schreibmaschine
und schreibt, weil er schreiben muss.

Der liebe Gott sitzt mit ihm zusammen
und macht ein faltenreiches Gesicht.
Der Mann sagt leise: "Reiss dich zusammen,
komm, wir spielen Mensch ärgere dich nicht."

Der liebe Gott sagt: "Du kannst mir glauben,
ich hätt es schon längst so gemacht wie du,
aber Selbstmord kann ich mir nicht erlauben,
sonst machen sie mir meinen Himmel zu.

Erst gestern kam wieder einer und sagte,
die Gottlosen müssen hier raus,
und als er sich dann über mich beklagte,
da wusste ich nicht mehr ein noch aus."

Das hatte der Mann an der Schreibmaschine
schon länger als lange kommen sehen
traurig zieht er an seiner Gardine und sagt:
"Ich kann das sehr gut verstehen.

Hier oben gibt es keine Militaristen,
wird keine Hand an die Hose genäht,
aber hier gibt es schwarze Listen,
für den, der nicht richtig zu glauben versteht."

"So ist es", flüstert der liebe Gott,
"und geht es so weiter, kann ich nicht mal bleiben.
Da ist zum Beispiel dieser Presbyter Ott,
willst du mir nicht mal einen Artikel schreiben?"

Der Mann gegenüber winkt müde und matt.
"Ich will dir mein Tagebuch zeigen."
Und er blättert durch bis zum letzten Blatt,
darauf steht: Sprechen, schreiben, schweigen.

Am Himmel bewegt sich eine Gardine,
und über die Milchstrasse läuft eine Maus,
da sitzt ein Mann an der Schreibmaschine,
der sieht wie Kurt Tucholsky aus.

Hanns Dieter Hüsch




PRESSEAUSSCHNITTE

Kurt Tucholsky - heiter bis bewölkt
Ein Feuerwerk an Satire und ironischer Brillanz entzündete Silvia Jost am Donnerstag in Teufen. Ein Tucholsky-Abend, der aber auch nachdenklich und traurig stimmte(...)
APPENZELLER ZEITUNG

Darstellerische Glanzleistung
(...)Das war nicht einfach ein Leseabend von Frau Jost mit Texten des Herrn Tucholsky. Das war schon eher ein gemeinsamer Auftritt, wozu er die Orginalität der Texte beisteuerte und sie die Qualität der szenischen Gestaltung.(...)
VATERLAND Luzern

(...) Silvia Jost, (...), erwies sich als inspirierte, kabarettistisch erfahrene und sprachlich überlegene Interpretin. Sie spielte, wo sich dies aufdrängte, die Komik hinreissend aus - sie erreichte aber besonders dort unvergessliche Höhepunkte, wo Tucholsky in die Abgründe der menschlichen Unzulänglichkeit hinableuchtete und wo er historische Entwicklungen intiutiv voraussah. (...) Der Dank des Schlachthaus-Publikums fiel deshalb zu Recht enthusiastisch aus. Um Wiederholung wird gebeten.
DER BUND Bern


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© 2000, Andreas Berger